Von der achtsamen und natürlichen Entstehung eines runden Strohhauses

Achtsame Waldarbeit

Dank einer großzügigen Spende können Marko und ich Anfang 2011 beginnen unseren Traum von einem runden Haus zu planen. Einmal geht es im eigenen Wald, der sowieso dringend Auslichtung braucht, los passende Bäume zu finden. Durch Verbinden und Reinspüren ist es möglich die Bäume herauszubekommen, die bereit sind zu gehen und gleichzeitig diese achtsam und voller Respekt zu verabschieden und in die neue Aufgabe zu leiten. Oft genug, vor allem bei besonders großen und starken Baumindividuen kommt ein klares nein, ich habe noch eine wichtige Aufgabe und das gilt es natürlich zu respektieren. Die gefällten Bäume werden entastet, abgelängt, im nahegelegenen Sägewerk zu Balken und Brettern gesägt und schließlich von uns wieder fachgerecht aufgestapelt und mit einem Dach versehen damit sie gut durchtrocknen können.

Geomantische Entwurfsplanung

Gleichzeitig mit den Waldarbeiten geht es los mit den Entwurfsplanungen. Ich bin ja nun schon einige Jahre Architektin aber hier darf ich doch ganz neu denken, da alles irgendwie anders als üblich ist, aber das ist auch gut so. Zeit wird es für schöne, organische, günstige und ökologische Bauten, die im Einklang mit der Natur entstehen. Schon im ersten Jahr haben wir einen besonderen Kraftpunkt an einer Stelle hier auf dem Grundstück gefunden und dort soll nun genau die Mitte des Hauses zum liegen kommen. Im Grundriss bezieht sich alles auf die 9, die Dreiheit der Dreiheiten, die für Balance, Ausdehnung, Vollkommenheit und Vollendung steht. Die 9 ist die letzte einstellige Zahl und steht so an der Grenze, zeigt also den Übergang an, für uns ist es der Übergang in eine neue Kultur, eine Kultur in der aus Liebe gehandelt und gelebt wird. Die Mitte ist von 9 Holzsäulen gehalten, darüber eine Glaskuppel mit 9 dreieckigen Glasflächen, die Verbindung zum Kosmos. Um die Verbindung zur Erde zu stärken ist ein großer Bergkristall in der Mitte des neuneckigen Mittenfundamentes eingearbeitet, dieser bringt Klarheit und Weisheit für alle Verbindungen. Das Haus ist offen für Begegnungen.

Baubeginn

Im September 2011 halten wir die Genehmigung in Händen. Lang genug hat es gedauert, gar nicht mal wegen der runden Form, sondern wegen unserem besonderen Toilettensystem, einer Trockentrenntoilette. (Nach der Trennung von Marko habe ich doch ein Wasserklo einbauen lassen, die TTT gibt es nach wie vor im Freien) Bald soll es mit den Baggerarbeiten losgehen aber zuvor machen wir noch ein Ritual um all den Wesen Bescheid zu geben und ihnen die Möglichkeit zu geben einen neuen Platz außerhalb des Baubereiches zu suchen und auch um Hilfe zu erbitten für all die nun anstehenden Arbeiten. Als Bauhüter entsteht Leo Michaeli mit großem Herz, aus einer umgefallenen Zwetschge, symbolisch auch für die Welt der Elementarwesen und immer Bereit zur Hilfe bei schweren Entscheidungen in Bezug auf den Bau. Und schon ist die Erde sichtbar und bald darauf eine löchrige Kraterlandschaft und schließlich scheinbar wahllos herumliegende, aber in Wirklichkeit schwierig berechnete und ermittelte Betonfundamente.

Holzbau

Es ist Winter und wieder fällen wir Bäume und stapeln Holz. So ein Haus verschlingt schon sehr viel Holz, wir sind voller Dankbarkeit, dass wir genug davon haben und als Ausgleich stehen auch schon zahllose Neupflanzungen über das ganze Land verteilt. Anfang Februar 2012 in eisiger Kälte entsteht die hölzerne Unterkonstruktion. Wie ein riesiges Wagenrad thront sie auf den Fundamenten bis erst eine Lage Bohlen und eine zweite Lage Bretter darauf kommen. Wieder gibt es ein Ritual, in dem wir den Bergkristall in dem extra dafür geschaffenen Loch in der Mitte versenken.

Die Zimmerer kommen

Wow, wie schnell doch alles geht, wenn viele Hände am Werk sind. So schnell strebt das Gebäude plötzlich in die Höhe und alles nimmt eine wunderschöne Form an. Bei herrlichem Wetter und fröhlichen Arbeitern ist es eine wahre Freude dieses Kunstwerk entstehen zu sehen. Vor allem die Glaskuppel mit der Hängestütze in der Mitte, die zum Glück durch einen weiteren unerwarteten Geldsegen ermöglicht wurde ist ein Meisterstück von Cato und seinem Zimmerergefolge. Ein kleineres Kunstwerk aus den Holzresten wird zum Blickfang an der Scheune.

Dach

Jetzt heißt es schnell das Dach dicht bekommen. Marko und ich entscheiden auch hier wieder das meiste selbst zu organisieren und zu tun, aber mit sporadischen helfenden Händen von Freunden, zum Beispiel beim entfalten und verteilen der superschweren Dachfolie. Der Dachrand ist eine echte Herausforderung, bei 18 Seiten, ein ewiges gesäge und einpassen. Und dann gerade noch rechtzeitig zu unserem `Fest im Wandel` kommen die Glasscheiben auf die Kuppel und das Dach ist dicht für all die Vorträge, Workshops, Tanz und Musik, eine schöne Einweihung für den Pavillon.

Strohballenbau

Nach einer nervlich sehr aufreibenden Strohernte sind wir sehr froh genug trockene Strohballen für die Dämmung unserer Wände unter Dach gebracht zu haben. Nebenprodukt 4,5 Tonnen Roggen vom eigenen Acker, das ist eine super Sache. Und wieder trudeln Menschen, aus ganz Deutschland und sogar aus Polen hier ein zu einem Strohballenbauworkshop. In fünf Tagen lernen wir von Friederike und Cato die Strohballen richtig zwischen die Holzständer zu packen. Wie bekommt man aus einem Ballen zwei durch neues Zusammennähen, wie bekommt man sie möglichst dicht zwischen die Holzsteher, wie werden auch die letzten Löcher noch gut ausgestopft, wie glättet man die fertige Wand und, und, und. Gerne versorgen wir die fleißigen, herzlichen Helfer mit leckersten, gesündesten Produkten vom Krafthof, vor allem das selbstgebackene Roggenbrot schmeckt besonders gut. Um auch noch anderen Leuten den Strohbau nahe zu bringen gibt es einen Tag der offenen Baustelle, wo auch die regionale Presse da ist und andere sich informieren können. Die Zeitschrift OYA anders denken. anders handeln berichtet in der Ausgabe 18 über den Strohbau ( http://www.oya-online.de/article/read/897-heilige_hallen_der_halme.html)

Lehmputz

Zuerst wollten wir den Lehmputz vom Fachmann aufbringen lassen und herausfinden ob der Lehm vor Ort dazu aufbereitet werden kann. Aus Zeitnot und weil uns der Fachmann bis zum Schluss versetzt entschließen wir schließlich auch hier selbst zu organisieren und mit Hilfe eines Putzers aus dem Nachbardorf selbst Hand anzulegen. Der Lehm kommt als Pulver in Bigpacks und wir vermischen ihn mit, an unserem Tracktor angehängten, ausgeliehenen Zwangsmischer. Viele Freunde werden eingeladen um uns zu helfen die erste Lehmputzlage mit den Händen in die Strohballen einzumassieren, innen und außen. Und obwohl der Putzer noch nie mit Lehm gearbeitet hat klappt alles bestens und die Wände gehen mit zwei Lagen Lehmputz außen und innen in die Winterpause.

Dachbelag

Nun ziehen sich die Arbeiten, weil bei uns auch viel anderes ansteht. Trotzdem schaffen wir es noch vor Wintereinbruch den Dachbelag, bestehend aus Kiesrändern, Flies, Substrat und Erde auf das Dach zu bekommen, sowie den Dachrand vom Spengler einzublechen. Puh ich bin froh dass der Winter ein bisschen Ruhe bringt.

Kleinarbeiten

Im Frühling 2013 geht es dann weiter mit der Dachbepflanzung. Und dann kommen all die zeitaufwendigen Feinarbeiten. Fenster seitlich ausstopfen, abkleben, Schilfrohr an die Leibungen und an Übergängen. Ein Highlight ist die wunderschöne Eingangstüre und die zwei seitlich davon liegenden Fenster, die uns ein Schreinerfreund aus unserem schon gut abgelagerten Buchenholz gebaut hat, in wunderschön organischen Formen. Es war eine dicke Buche, die hier gleich im ersten Jahr von einem Biber gefällt wurde und die wir schon zu dicken Brettern sägen ließen, da wussten wir noch gar nicht dass wir irgendwann ein Haus bauen. Gleichzeitig beginnen die Elektroarbeiten, die Innenwandbekleidungen und die Innendecken. Und Lehmputz, Lehmputz und noch mal Lehmputzarbeiten. Die letzten Lagen Lehmputz verschönern alles gewaltig, plötzlich sieht alles so sauber aus und endlich ist die nasse Dreckarbeit zum größten Teil fertig.

Wandlung

Ende des Sommers bricht für mich meine heile Welt zusammen, als sich Marko in unsere gemeinsame damalige Freundin verliebt und beide das auch ausleben. All das hier am Krafthof hat erstmal keinen Sinn mehr und ich schaffe es gerade noch mich irgendwann um die Außenfensterbänke zu kümmern, damit für den Winter alles dicht ist. Nach einem Jahr hin und her, Enttäuschungen und Verletzungen, zieht Marko nach langem Bitten endlich aus. Im Sommer entsteht noch das Klärbeet mit vorgeschalteter Dreikammergrube und Schwallbeschicker.

Innenarbeiten

Ich bin so glücklich als meine Energien nach Markos Auszug wieder zurück kommen und ich im Herbst 2014 endlich bei den Innenarbeiten weitermache. Und da ist soooo viel Hilfe. Mir kommt es vor als wenn die ganze Existenz mithilft, damit dieser Ort hier weiter bestehen bleibt, damit das Rundhaus fertig wird und ich weiterhin hier die Hüterin sein kann und diese Lichtinsel in Liebe erstrahlen kann. Immer wenn ich meine ich schaffe das nicht mehr alleine und Mutlosigkeit und Existenzängste mich plagen, weil nichts mehr voran geht, muss ich wieder loslassen und zu einer empfangenden, vertrauenden Haltung finden und alles ergibt sich wieder fast wie von selbst. Ich bin nicht alleine. Wie ein Wunder kommen die richtigen Leute, ist wieder Geld da und ich bin zutiefst gerührt und dankbar was für Geschenke passieren. Stetig gehen die Elektroarbeiten voran, wir bauen weiter an der Decke, sprich Dampfsperre und Deckenbretter immer abwechselnd mit wieder Stopfhanf einfüllen. Der Stopfhanf begeistert mich, weil er ganz natürlich ist und in der Ueckermark, nördlich von Berlin angebaut wird. Er kommt in sehr verdichteten Säcken und muss erst gelockert werden um ihn dann wieder locker zwischen die Sparren zu stopfen. Es sind unendlich viele Stunden, die ich mit Freundinnen, Gästen, Familie und jeder der irgendwie Zeit und Lust hat, Sack für Sack Hanf auseinanderzupfe. Viele schöne und tiefe Gespräche und Begegnungen haben diese, sehr staubige Arbeit, erträglich gemacht. Der eine Teil der Innenwände wird verbrettert und mit Hobelspäne aufgefüllt und verdichtet. Diese fällt massig an, da wir die Bretter für Decke und Wände selber mit der Fünfachmaschiene hobeln und Fälze fräsen. Der andere Teil der Innenwände wird mit Holzweichfaserplatten beplankt, mit Lehmarmierungsmörtel bestrichen und Gewebe eingespachtelt und dann mit Feinputz oder im Bad mit Kalkputz verputzt.


Boden/Fliesen

Auf die bisherige Holzbodenfundamentplatte kommt eine Kreuzriegellattung und dazwischen wird Isoflock verteilt. Eine OSB-Plattenschicht, die an allen Anschlussstellen abgeklebt werden muss fungiert als Feuchtigkeitssperre. Darauf werden, die sehr dünnen Thermobuchenbretter aus heimischem Holz, geklebt. Im Bad wird die Dusche zu einem Kunstwerk. Aus der Einheit/Urmeer manifestieren sich die Frau und der Mann, gemeinsam schöpfen sie die Vielfalt auf der Erde und sind mit dem Kosmos verbunden.


Einzug Oktober 2015

Zu meinem Geburtstag Anfang Oktober 2015 beziehe ich das Rundhaus. Danach kommen noch Feinarbeiten wie Fussbodenleisten, die ich aus den restlichen Bodenbrettern schneide und für die Rundungen nehme ich ein doppeltes Seil, Oberlichter mit Rahmen, Malerarbeiten im großen Raum, Badablage, Fliesen hinter dem Küchenherd. Die Außenterrasse ist immer noch im Bau. Stand März 2017

Wenn Interesse an einem Besuch des Hauses besteht, gibt es auf Anfrage die Möglichkeit einer Besichtigungs- und Infoveranstaltung, an der Ihr Fragen stellen könnt und ich meine Erfahrungen teile.

Ich bin vorlageberechtigte Architektin und Ihr könnt Euer Haus von mir planen lassen. Ich wünsche mir Bauherren, die auch Selbstverantwortung übernehmen, ökologisch denken und Geomantisches miteinbeziehen. Mehr